Aufgehender Stern: Die Pianistin Jung-Youn Kum

Pianistin Jung-Youn Kum
Hinreißend interpretiert sie Beethoven Klavier-Sonaten. Gekonnt, fast unmerklich, keinesfalls effektherrschend streut sie Ritardandi ein und fährt dann rasch, ebenso wunderbar dosiert accelerando fort. Die cantabile-Stellen erklingen hinreißend. Das Angenehmste ist, dass sie äußerlich auf jedwede Effekthascherei mit irgendwelchen größeren oder gar ausladenden Gesten oder Posen total verzichtet. Sie scheint einfach aufzugehen in der Musik. Das genügt ihr. Sie, das ist die aus Korea stammende, noch junge Jung-Youn Kum, die in Deutschland studiert hat und inzwischen Dozentin für Klavier an der Sookmyung Womens University in Seoul ist. Doch immer wieder ist sie in Europa zu hören.


In gleicher Weise interpretiert sie Chopin, ohne jede Hast und Aufregung. Man wird einfach in die Schönheit, die Melodien, den Einfallsreichtum, die Lebendigkeit der Musik hineingezogen, als wenn Chopin sie eigens für diese Stimmung komponiert hätte.

Ja sie wagt sich selbst an Nikolai Karlowitsch Medtner, ein Zeitgenosse und guter Freund Rachmaninows. Beider Werke gelten als schwierig. Die kontrapunktische Komplexität Medtners beherrscht sie spielend und versteht es auch, skurrilen Stellen Ausdruck zu verleihen. Das Monumentale, das Rachmaninow und Medters Musik zuweilen anhaftet, wird von Kum ebenfalls nicht effektherrschend überinterpretiert. Sie nimmt einen schlicht mit in diesen Musikstil. Am Schluss überkommt einen das Gefühl, man hat Medtner verstanden und wurde genussreich mitgenommen in diese Epoche. Da kann man nur sagen: Danke.

Jung-Youn Kum wurde in Korea geboren. Nach ihrem Bachelor of music an der Sookmyung Womens University in Seoul studierte ab 2005 an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar. In der Klasse von Professor Jacob Leuschner schloss sie die Studiengänge Künstlerische Ausbildung und Aufbaustudium A im Fach Klavier solo erfolgreich ab und absolvierte den Studiengang Konzertexamen Klavierkammermusik bei Professor Ulrich Beetz. Schon die Aufnahme in diesen künstlerisch höchst anspruchsvollen Studiengang stellt eine seltene Auszeichnung dar. Jung-Youn Kum nahm an Meisterkursen u.a. bei Professor Paul Badura-Skoda, Professor Malcom Bilson, Professor Bernd Glemser, Professor Peter Nagy, Professor Eugene Skovorodnikov und Professor Maurizio Moretti sowie beim Minguet-Quartett teil.

Pianistin Jung-Youn Kum
Ihr Interesse gilt zudem historischen Tasteninstrumenten: So hat sie häufig mit großem Erfolg auf den Instrumenten der Sammlung Beetz im Weimarer Stadtschloss konzertiert. In Konzerten der Weimarer Goethegesellschaft und der Klassik Stiftung Weimar konnte sie sich schon früh einem größeren Publikum präsentieren. Ihr vielseitiges Repertoire reicht vom Barock bis zur Gegenwart.

Zahlreiche Erfolge bei internationalen Wettbewerben unterstreichen Jung-Youn Kums künstlerische Qualitäten. Zuletzt erspielte sie sich den 1. Preis Klaviersolo beim Concorso Internazionale di Musica „Valeria Martina“ in Italien und mit ihrer Kammermusikpartnerin Sabina Egea-Sobral (Saxophon) den 1. Preis beim Concorso Internazionale di Musica „Pietro Argento“ in Italien sowie einen Sonderpreis beim Interpretationswettbewerb „Verfemte Musik“ in Schwerin. Das „Duo Aestus“ Egea-Sobral/Kum hat sich in den letzten Jahren auch überregional einen Namen gemacht und begeistert mit einem für diese Besetzung ungewöhnlich vielfältigen Repertoire und mitreißenden Interpretationen.

Jung-Youn Kum konzertierte nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in Italien, Tschechien und ihrem Heimatland Korea. Im Jahr 2011 spielte sie eine Aufnahme von Liszt-Werken für den NDR ein. Wie erwähnt unterrichtet sie zur Zeit als Dozentin für Klavier an der Sookmyung Womens University in Seoul und kann bereits sowohl als Solistin wie als Kammermusikpartnerin auf eine erfolgreiche Konzerttätigkeit im In- und Ausland hinweisen.

Hier zwei schöne Hörbeispiele:
Sonetto 47 del Petrarca von F Liszt auf Youtube
Ballade h moll von F Liszt auf Youtube
Kontakt: kumjandy@hotmail.com.

Text und Bild: Dieter Simon

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